M. A. Karjalainen
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Road to my 60s - Fragment

Tag 37-49

13/4/2025

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1.
Wieder sind zwei Wochen vergangen und ich befinde mich seit 2 Tagen in einer mir selbst auferlegten Osterpause. Keine Nachrichten, kein journalistisches und pädagogisches Arbeiten und keine Social Media Aktivitäten. Und da werden Kopf und Zeit frei für das Dichterische. Allerdings ruft hier in erster Linie eine Pflicht, die ich an meinem letzten Geburtstag übernommen habe, nämlich meinen Weg zu meinem 60er und in meine 60er zu be-schreiben; diese Pflicht habe ich ob all der anderen Ver-pflicht-ungen und Not-Wendigkeiten vernachlässigt. Sie ist in der Prioritätenliste an letzte Stelle gerückt, genauso wie die regelmäßige Veröffentlichung meiner Haikus von 2015 oder die Gestaltung des einen oder anderen im Kopf schwirrenden Textes.
2.
Es wird daher schwer gelingen, all das, was passiert ist, wieder in Erinnerung zu holen und danach in die Tasten meines Laptops zu klopfen. Während ich diese Zeilen schreiben, taucht das oder andere wieder auf, vor allem zwei Filme, die ich gesehen habe.
Dinner with André, ein Film von Louis Malle von 1981, der aus nichts anderem als aus einem Dialog zwischen zwei Schauspielern in einem Restaurant besteht, den sie knapp zwei Stunden lang über das Leben, über ihre Leben führen. Obwohl das nach Langatmigkeit und Mühsal klingt, ist er äußerst kurzweilig und weise und hat mich sehr bewegt. Das Leben als das zu betrachten, was es ist, ist auch der Schwerpunkt des in diesen Tagen von mir rezensierten Buches des Psychotehrapeuten Uwe Böschemeyer mit dem Titel „Das Leben ist besser als sein Ruf“.
Good Morning, Vietnam wurde mir von meinem Sohn empfohlen, wir schauten den Film dann mit meiner Frau gemeinsam. Auch er bewegend, wenn auch auf eine ganz andere Weise. Robin Williams in einer wie für ihn geschriebenen Rolle und in der ständigen Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn. Ambivalent bleibt die Bewertung der amerikanischen Intervention in Vietnam. Aber das ist ja möglicherweise eine weitere Stärke des Films.
3.
Wie es mit diesem Tagebuch weiter gehen wird, habe ich noch nicht entschieden. Ich werde jedenfalls zukünftig nur nach Lust und Laune schreiben und nicht, weil ich mich mir oder meinen Lesern verpflichtet fühle. Zu viele Verpflichtungen führen mit Sicherheit in die Un-Kreativität, die es aber braucht, um anspruchsvoll zu schreiben. Und: Was ist mein Leben schon im Vergleich zu all den Leben, die da draußen in der Welt tagtäglich dem Wahnsinn unserer Zeit zum Opfer fallen. Hier sehe ich eine Aufgabe, die ich mit meinem journalistischen Arbeiten noch viel stärker aufdecken will, nämlich den Mächtigen das Handwerk legen, in dem die Bevölkerung durch wichtige Informationen und Kommentare aktiviert wird, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht ängstigen oder für dumm verkaufen zu lassen.
4.
Und jetzt: Osterpause zum Auftanken, um danach dieser Aufgabe wieder mit voller Energie nachgehen zu können. Der sich nun langsam dauerhaft durchsetzende Frühling ruft mich nach draußen an seinen Busen ...

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Tag 22-36

1/4/2025

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1.
Zwei Wochen – im Flug vorbei. Dazwischen immer wieder der Gedanke: Tagebuch schreiben. Und dennoch fehlten Zeit und Kraft, die Wichtigkeit lag anderswo. Nicht alles aus dieser Zeit lässt sich noch dokumentieren, das eine oder andere ist im Gedächtnis und soll hier seinen Platz bekommen. Letzte Woche auch kein Dichterbrief und nicht einmal ein weekly. Meine diesbezüglichen Pläne habe ich revidiert, um mich nicht zu überfordern oder mir die Nächte mit Schreiben um die Ohren zu schlagen. Der aufkeimende Frühling spült gerade die Erschöpfung nach dem Winter aus – das will berücksichtigt werden. Und da war dann noch der Wunsch meiner Frau, ihre neue Website zu gestalten; ihr Unternehmen ist heuer zehn Jahre alt geworden. Der Relaunch war dringend notwendig und hat viel mehr Zeit verschlungen, als ich dafür geplant hatte. Ach ja – und die Steuererklärung war ja auch noch fällig. So betrachtet also ein Wunder, dass so manch Alltägliches dann den Kürzeren zog.
2.
Neben dem gerade beschriebenen Besonderen und dem dringend Alltäglichen, also meinem Broterwerb in der Begleitung von jungen Menschen und pädagogischen Fachkräften, gab es den einen oder anderen Abend mit meinem Sohn und mit meiner Frau. Da standen Fußball und Filme sowie Kabarett am Programm – nichts Ungewohntes, aber dennoch neu. Österreichs Fußballnationalteam vergeigte den Aufstieg in die Gruppe A der Nations League, das, was man sah, war schwer zu verdauen. Und es gab die eine oder andere Analyse dieser Niederlage durch die rosa Brille, was noch ärgerlicher war. Und dann grätschte auch noch der eine oder andere inkompetente Funktionär des Österreichischen Fußballbundes in die Diskussion hinein und gab dem professionellsten Teamchef aller Zeit entbehrliche Ratschläge. Man spürt allerdings auch bei ihm den aufkeimenden Druck, der ihm zunehmend die Lust verdirbt und ihn offen macht für Begehrlichkeiten aus Deutschland. Aber so kann es eh nicht weitergehen.
Ein Highlight war der Filmabend mit meinem Sohn, an dem ich ihm einen meiner Lieblingsfilme zeigte, nämlich „Thunderheart“ (dt. Titel Halbblut) aus 1992 mit Val Kilmer, Sam Shepard sowie Graham Green und anderen indigenen Darstellern. Der Streifen nimmt Bezug auf die Aktivitäten des FBI in den Reservaten, mit denen die regierungstreuen und die fundamentalen Indigenen gegeneinander aufgebracht wurden. Dadurch geschahen zahlreiche Morde, die die Fundamentalisten ausrotten sollten. Der Begriff ist in diesem Fall für mich positiv besetzt, weil sich diese Gruppe für den Erhalt bzw. das Wiedererlangen der ursprünglichen Lebensweise einsetzte. Andererseits zeigt der Film auch die Tristesse, die in den Container-Dörfern der Entwurzelten herrschte und wahrschenlich noch herrscht: Fernsehen und Alkohol statt Ritualen und Büffeljagd. Es ist zum Heulen.
3.
Abends las ich dann immer mal ein paar Seiten im Buch „Er ist wieder da“ über die „Wiederkunft“ von Adolf Hitler ins Deutschland der Gegenwart. Von der Verfilmung habe ich gesprochen, auch von den Unterschieden zwischen Buch und Film. Der Text liest sich manchmal sehr zäh, vor allem klingt er überraschend authentisch und erinnert in der Wortwahl und Formulierung an die Monologe von Uwe Ochsenknecht in „Schtonk“. Ich kämpfe mich also weiter durch das Werk, weil ich meine, es gelesen haben zu müssen. Zeitgleich gibt es ja noch Alternativen, die mich in andere Welten führen. Denn die im vorhin genannten ist mir nicht nur zu realistisch sondern auch zu dystopisch.
4.
Durch Zufall kam ich an ein Buch namens „Der Quanten Code“, das so manches, einst Geglaubtes und sogar zur Lebensgrundlage Gewordenes wieder aufleben ließ und das im krassen Gegensatz zur kürzlich gewonnenen Weltsicht einer Philosophie des Absurden steht. Der Autor und Arzt Lothar Hollerbach verbindet darin Quantenphysik und christlichen Glauben, vor allem die in den Evangelien dargestellten Ereignisse im Leben von Jesus. Das ist durchaus faszinierend und erinnert mich an Vieles, was ich früher in meiner Zeit als Religionspädagoge und später als Energetiker für möglich, ja für wahr gehalten habe. Auch dieser Zufall hat mich aus meinen gewohnten Bahnen geworfen, die mit dazu geführt haben, dass ich meine Tagebucheinträge ausgesetzt habe. Hollerbach hat kurz nach diesem Buch noch ein weiteres veröffentlicht, dass sich mit dem Tod beschäftigt. Der Grund dafür liegt in den tragischen Vorkommnissen, durch die er zwei seiner vier Töchter bei einem Autounfall in Südafrika und kurze Zeit später seine zweite Frau wegen ihrer Krebserkrankung verlor. Ich wurde durch diese beiden Bücher, deren zweites ich immer noch lese, an zwei Filme von Wim Wenders erinnert. „Der Himmel über Berlin“ und „In weiter Ferne, so nah“ standen daher als Abendprogramm in diesen Tagen fest. Auch sie faszinierend, auch sie realer als ich es mir vorgestellt habe. Dadurch bewegt, bin ich an einer weiteren Abzweigung meines Lebensweges angelangt. Glauben oder Zweifeln … womit fühle ich mich wohler? Weil letzten Endes nutzen mir alle Gedanken nichts, wenn es mit dem Verstand unlösbares zu lösen gilt. Erlösung …
5.
Wie schön, dass sich der Frühling Nach und nach Bahn bricht – und mit ihm die Hoffnung. Und auch Ostern ist bald. Vielleicht stellt sich dann ja endlich wieder Zuversicht ein.

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Tag 21

17/3/2025

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1.
Damit der Sonntag wieder zum Sonntag wird, habe ich mir nach dem eindrücklichen Mahngespräch mit meiner Frau ja einen Stopp von Nachrichtenkonsum und journalistischem Schreiben verordnet. Und das gelang mir ausgezeichnet. Mir fehlte nichts, vielmehr spürte ich eine große Erleichterung und Befreiung nicht auf Teufel komm raus etwas produzieren zu müssen. Der Geist konnte regenerieren, meine Gedanken drehten sich nicht ständig um den nächsten Beitrag bzw. den nächsten Kommentar. Für die kommende Woche sind ohnehin schon drei Veröffentlichungen geplant, am Montag die Zweitveröffentlichung meines Artikels zur Digitalen ID für Unsere ZeitenWende, am Mittwoch die Fragen zur Wien-Wahl und am Freitag meine Wochenschau. Dazu kommen ja von Montag bis Freitag meine daily[s]. Und auf dem Dichter-Blog stehen ja weitere Tagebucheinträge am Plan, ebenso der tägliche Haiku und möglicherweise, so die Zeit noch reicht, ein literarischer Beitrag. Was will ich eigentlich mehr?


2.
Für unseren Familienfilm- bzw. -fernsehabend am Samstag hat unser Sohn auf Joyn den Film „Er ist wieder da“ gefunden. Dieser ist die Verfilmung aus 2014 des gleichnamigen Buches von Timur Vermes von 2011. Adolf Hitler kehrt ins Deutschland der Gegenwart zurück. Was anfangs befremdlich war, wurde im Lauf der Handlung zu einem Lehrstück über den immer noch gewünschten starken Mann. Auch der Medienhype um Ereignisse wie diese wurde satririsch brilliant dargestellt. Dafür sorgte auch ein gut gewähltes Schauspielerteam, u.a. mit Christoph Maria Herbst und Katja Riemann. Der Hitler-Darsteller Oliver Masucci war mir bislang nicht bekannt, meisterte seine Aufgabe allerdings bravourös.
Wie so oft schaffte es auch dieser Film, wesentliche Handlungen des Buches umzudichten, wie mir der dazugehörige Wikipedia-Eintrag verriet. Dass das Ende des Streifens im Gegensatz zum Roman dystopisch ist, tut der Sache nicht gut. Hier ist zu sehr die Moralkeule zu spüren, die den Filmemachern offenbar extrem wichtig war. Schade drum.
Das Buch, das ich zwar wegen seines Covers in Erinnerung hatte, bislang aber noch nicht gelesen habe, konnte ich mir via Onleihe beim Goethe-Institut ausborgen. Diese kostenlose Online-Bibliothek hatte meine Frau kürzlich entdeckt, sie sei hiermit jedem empfohlen, der gerne liest, bietet sie doch ein reichhaltiges Sortiment an deutschsprachigen Büchern, nicht nur für Deutschlernende.


3.
Der Geist des Wochenendes mit seinen unermesslichen Freuräumen – was für ein vielsagender Tippfehler, wollte ich doch eigentlich Freiräume schreiben – tat seine Wirkung und wird sie auch weiterhin entfalten und mir helfen, einen Rückfall in alte, schädliche Gewohnheiten zu vermeiden. Ich freue mich schon auf die nächsten auf diese Weise freien Sams- und Sonntage.
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Tag 19-20

16/3/2025

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1.
Am Donnerstagabend, knapp nach Beginn des 19. Tages meines neuen Lebensjahres, stand eine herausfordernde Aufgabe am Plan. Mein Sohn ist seit jeher bekennender Fan des SCR, also von Rapid Wien. Dass mein Nachwuchs mir in meiner in den Kindheitstagen durch meinen Großvater mütterlicherseits grundgelegten Liebe zum FAK, also zu Austria Wien, nicht folgen, musste ich durch meine Töchter schon vor Jahrzehnten schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Im Lauf der Lebensjahre hat sich auch in diesem Bereich ein gewisser Pragmatismus durchgesetzt und so fiebere und leide ich nun an Sohnemanns Seite mit den Grün-Weißen mit. Tatsächlich ist das nach einem tollen Saisonstart und auch internationalen Erfolgen in diesem Kalenderjahr bislang ein Leidensweg gewesen, da nur ein Sieg eingefahren werden konnte, und die Spielweise in den letzten Partien grottenschlecht war. An diesem Abend aber sah man plötzlich den alten Rapidgeist wieder und ich war sehr zuversichtlich. Etliche Chancen der Rapidler später, darunter eine hundertprozentige Torchance und ein Lattentreffer schon nach wenige Sekunden, ergänzt um einen weiteren Latten- und einen Stangenschuss, sank meine Zuversicht gegen Null. Die alte Fußballweisheit, wonach man Tore, die man nicht schießt, bekommt, trübte meine Stimmung. Und als sich diese Sichtweise bewahrheitete, da die Gäste aus Bosnien mit ihrer ersten Torchance auf 0:1 stellten, war ich versucht, meinen Sohn im Stich zu lassen und mich anderem zu widmen. Glücklicherweise zeigte Rapid dann aber Moral und schaffte schon wenige Minuten später den heißersehnten Ausgleich. Allerdings gelang danach in der regulären Spielzeit trotz eines weiteren Anrennens kein Treffer mehr. Erst in der Nachspielzeit erlöste „Euro-Louis“ Schaub nicht nur uns, sondern das ganze Weststadion, in dem Gästefans nicht zugelassen waren. Ich war fix und fertig, wie in meinen schlimmsten Austria-Zeiten, in denen sehr oft der Grundsatz galt: „In Schönheit sterben.“ Die Rapid von heute erinnert mich an die Austria von gestern. Obwohl man einen solchen Vergleich natürlich niemals ziehen darf ...
2.
Der Freitag war dann meiner Wochenschau und zwei weiteren journalistischen Beiträgen gewidmet, nämlich einer re.action auf ein ZIB2-Interview mit dem österreichischen Innenminister Gerhard Karner und einer längeren Analyse eines solchen Gesprächs zwischen Armin Wolf und Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Auch war ich – wie freitags immer – für das leibliche Wohl der Familie verantwortlich. Wenn es so viel zu tun gibt, gerät auch die Mittagspause in Gefahr; diesmal aber hielt ich mich eisern und dizipliniert an meinen Plan, was mir psychisch und physisch sehr gut tat.
3.
Der Freitagabend stand wie immer unter dem Motto „Comedy & Kabarett“, diesmal mit dem Monatsrückblick von maschek, der wie immer sehr gelungen war, einer neuen Folge von „Was gibt es Neues?“ und dem von mir weniger, von meinem Sohn aber sehr geschätzten „Gute Nacht Österreich“. Für letzteres konnten wir im Lauf der Zeit auch meine Frau gewinnen, was mir das Anschauen erleichtert.
4.
Der Samstag-Vormittag war dann der Veröffentlichung meiner tags zuvor produzierten journalistischen Werke gewidmet, danach gings dann wirklich ins erste nachrichten- und journalismusfreie Wochenende. Am Nachmittag widmete ich mich noch eine knappe Stunde dem Wunsch meiner Frau, ihre Website anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ihrer Tätigkeit als freischaffende Sprachtrainerin und Literaturübersetzerin, mal auf „Wartung“ zu setzen und ein ansprechendes Layout zu gestalten. In den beiden kommenden Wochen wird diese dann auch von mir komplett neu gestaltet, dafür habe ich mir 3 Tage Zeit reserviert. Möge die Übung zur Zufriedenheit meiner „Auftraggeberin“ gelingen. Danach oder vielleicht auch schon parallel ist ein neuerlicher Relaunch meiner Homepage mit den Entfaltungsbegleitungsangeboten notwendig, um auch mit dieser Beschäftigung einen Beitrag zum Familienauskommen leisten zu können; auch um Freiraum für mein Schreiben zu gewinnen, mit dem ich mittelfristig hoffe, alles andere endlich auch finanziell ersetzen zu können.
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Tag 17-18

16/3/2025

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1.
Wie heißt es so schön? Neujahrsvorsätze sind spätestens Mitte Jänner Schall und Rauch. Bei meinen kürzlich gefassten Vorsätzen hat es nicht einmal so lange gedauert, bis sie sich deren Umsetzung in Luft aufgelöst hat. Frustriert vom Verlust „meines Waldweges“ durch die überbordenden Waldrodungsarbeiten ist mir die Lust vergangen, mir täglich rund eine Stunde spazieren gehend die Kraft der Natur einzuverleiben. Es gibt natürlich Alternativen, egal wo ich mich gerade befinde, lassen sich immer Naturerfahrungen machen – und sei es eine ausgedehnte Parkanlage in einer Großstadt. Aber der innere Schweinehund hat diesmal eine tolle Ausrede gefunden. Vom Qi Gong ist ohnehin schon rund zwei Jahre bloß die Rede und partout will sich auch dafür irgendwie niemals der passende Ort finden. Allerdings braucht es den eigentlich gar nicht, denn die chinesische „Meditation in Bewegung“ ist eigentlich überall möglich. Eigentlich. Welch wunderbares Wort!
2.
Also ging es auch dieser Tage bloß um passiven Bewegungskonsum. Mit meinem Sohn standen zwei Champions League Abende am Programm, nur leidlich spannend, da in der Hinrunde von den Favoriten schon vieles klar gemacht wurde und das eine spannende Spiel von einem anderen Anbieter ausgestrahlt wurde. Es ist ein absoluter Hammer, was da in den letzten Jahren mit den Rechten für die Übertragung von Fußballspielen passiert ist. Free TV geht zum Großteil gar nicht mehr und ein Anbieter alleine reicht nicht, um alles sehen zu können. Wobei, es geht ja gar nicht um alles, sondern um ausgewählte Spitzenspiele. Man müsste also einen Kanal gründen, in dem dies Matches gebündelt zu sehen sind. Und man müsste es den Ländern, von denen Mannschaften im Bewerb sind, ermöglichen, dass sie diese im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausstrahlen dürfen.
Aber da geht wohl die eine oder andere Million verloren, die die Gierigen nicht loslassen wollen. Wäre der Profifußball nicht so faszinierend, müsste man ihm wegen der ihm innewohnenden Praktiken schleunigst den Rücken kehren. Glücklicherweise hat mein Sohn diesbezüglich meine pragmatische Haltung übernommen. Er weiß um die Kehrseiten und lässt sich trotzdem die Freude daran nicht nehmen; zudem ist er diese Vorgangsweise betreffend äußerst kritisch und hofft – idealistisch wie er in seinem jungen Alter ist – auf eine Änderung dieser Bedingungen.
3.
In einem ernsten Gespräch hat mir meine Frau eindrücklich nahe gelegt, dass ihr mein Gemütszustand Sorgen macht und mir dringend geraten, Atempausen, meinen Nachrichtenkonsum betreffend, einzulegen. Ich ging sofort in den Widerstand und entgegnete ihr mit dessen Wichtigkeit für meine journalistische Arbeit. Dennoch wagte ich den Versuch, nicht gleich zum Frühstück die News gemeinsam mit Brei, Frühstückstoast und Immunstärkungstee zu verschlingen, sondern erst später. Die Unsitte, mich abends vor dem Schlafengehen damit abzufüllen, hatte ich ja schon länger abgelegt. Auch die ZIB 2 kann man ja glücklicherweise noch später via Mediathek nachschauen. Und ab dem kommenden Wochenende werde ich eine alte Sitte wieder aufgreifen und diese – so nicht irgendein epochales Ereignis die Welt erschüttert – frei von Nachrichtenkonsum und journalistischem Schreiben halten. Der kommende Frühling macht es auch leichter, nicht am Tablet oder vor dem Laptopbildschirm zu versauern, sondern sich anderem zu widmen, auch outdoor.
4.
Die Welt ist voller oft schon vor Jahrzehnten von Schriftstellern und Denkern erdachten Dystopien. Und so gestaltet sich das Beibehalten einer positiven Grundstimmung äußerst schwierig. Zumal bad news ja good news sind und meinen Kollegen meist ja nichts anderes einfällt, als ständig darauf herumzureiten. Da ja nun auch schon Visionen dazu führen sollen, dass man einen Arzt braucht, steht es um die Utopien noch viel schlechter. Wenn sich aber Dystopien, die ja tatsächlich ein Gesundheitsrisiko beinhalten, realisieren lassen, dann muss das für Idealbilder auch möglich sein. Und so habe ich mich in der Redaktionsgruppe von Idealism Prevails (sic!) dem In-die-Welt-Setzen von Utopien verpflichtet – als Gegenbewegung zum vorherrschenden Negativ-Wahnsinn. Auch das ist ein Vorhaben, bei dem ich leicht aus der Spur geraten kann. Ich werde dennoch mein Bestes tun, um diese immer wieder zu finden.
5.
Für den dritten Brief aus meiner Dichterwerkstatt gelang es mir, rechtzeitig Inhalte zu kreieren, was angesichts meiner seelischen Lage sehr herausfordernd, letztlich aber belebend war. Ich kramte in meinem Archiv und fand meinen Beitrag zur Sommerlesung des Weltladens Tulln aus 2021, die unter dem Motto „Über den Tellerrand“ stand. Dafür hatte ich ein Reimgedicht mit zahlreichen Wortspielen, die auch Neologismen hervorbrachten, geschrieben. Auch gab es mir den Impuls, mal wieder über meinen Tellerrand und jenen der Welt, die ich so gerne betrachte und seziere, hinauszuschauen. Zudem beschloss ich, die Haikus, die ich 2015 ein Jahr lang täglich auf meiner Dichterseite veröffentlicht hatte, wieder zu publizieren. Daher sind diese nun alltäglich auf meinem Dichterblog auf Substack als Notes zu lesen. Ersatunlich, dass diese gleich zu Beginn mehr Resonanz erzeugen, als meine ausgefeilten journalistischen Texte. Instant dominates.
6.
Erwähnenswert ist noch die spannende Diskussion mit den jungen Menschen im Rahmen der Stunden im BildungsRaum Sozialwissenschaften, den ich hoste. Wokeness, Political Correctness und Spaltung der Gesellschaft waren die Themen dieses Austausches, bei dem der Hausverstand regierte. Wenn jene, die individuelle Bildungswege gehen, die Gesellschaft von morgen prägten, bräuchte ich mir um die Zukunft unserer Welt keine Sorge machen. Es sind noch zu wenige, denen das ermöglicht wird, weil Eltern verständlicherweise, aber leider viel zu oft die Konsequenzen fürchten und hoffen, dass man die neun oder zwölf Schuljahre schon irgendwie überstehen wird. Der Preis dafür ist allerdings hoch.

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Tag 10-16

11/3/2025

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1.
Hab ich schon davon geschrieben, dass die Zeit immer schneller zu laufen scheint? Hab ich schon davon gesprochen, dass meine Tage mehr als voll sind, was nicht mit erfüllt gleich zu setzen ist? Hab ich mich schon dazu geäußert, dass mir meine Tage irgendwie davon zu laufen scheinen?
Ich erinnere mich, dass ich am vergangenen Wochenende meine Tagebucheinträge fortsetzen wollte, es gab das eine oder andere zu berichten. Das ist mittlerweile wieder 3 Tage her – und ich habe mir nicht einmal Notizen gemacht, was mir denn so wichtig war. Heute weiß ich nichts mehr davon oder muss erst nachdenken, um dann möglicherweise zu finden, was ich da vor einer halben Woche unbedingt aufschreiben wollte. War es denn dann wirklich so wichtig?
Ich versuche also, mich zu erinnern.
2.
Gerade habe ich den letzten Eintrag nochmals gelesen. Er stammt vom Dienstag der Vorwoche, das ist eine ganze Woche her. Ich schrieb davon, dass es sich so anfühlt, als bräuchte ich eine Auszeit. Tatsächlich bin ich dann drei Tage abgetaucht, also aus meinem Schreiben. Ich erkannte, dass mir der Winter und seine Dunkelheit die Freude an der Bewegung genommen hatte. Na ja, eher hatte ich sie mir nehmen lassen. Abgesehen von den regelmäßigen Einkaufstouren mit dem Fahrrad war Bewegung Mangelware. Das wollte ich ändern.
Mein erster Spaziergang in den naheliegenden Wald aber endete mit einer satten Enttäuschung. Ein mir aus der Vergangenheit in guter Erinnerung befindlicher Waldweg war nicht mehr da: der Wald weg gerodet, der Weg durch die Panzerketten der „Waldmaschine“ zerstört. Die Gegend gleicht nun einem Schlachtfeld. Da die entästeten und entrindeten Baumstämme, schön auf gleiche Länge geschnitten. Die Maschine macht das in einem Arbeitsgang. Dort die Reste am Boden verteilt, der durch das Gewicht des Gefährts völlig platt gemacht ist, also so verdichtet, dass Wasser nicht mehr abfließen kann, was die kleinen und großen Lacken, die sich gebildet hatten, eindrucksvoll belegten. Ich atmete schwer angesichts des Schmerzes, den die Natur einmal mehr durch uns Menschen erlitten hatte.
Gleichzeitig erinnerte ich mich an Erzählungen und Bilder von eben jenen Szenen, derer ich jetzt tatsächlich ansichtig wurde. Eine Tragödie. Die Worte fehlen. Die wahren Worte.
3.
Einigermaßen genesen, lauschte ich am Freitag der Regierungserklärung im Parlament. Danach sollte ich die Situation im Redaktionschat als Realsatire bezeichnen. Arme Kabarettisten, denen der Stoff ausgeht, weil ihn die Politiker schon vorweg gestohlen haben. Kein Wunder, dass das klassische Kabarett dem Aussterben geweiht ist und die Comedians die Herrschaft übernehmen. Was waren das für Zeiten, als Hans Peter Heinzl oder die Hektiker über all das herzogen, was man uns politisch zumutete. Auch einer der letzten Großen dieses Genres, Volker Pispers nämlich, hat sich schon vor Jahren zur Ruhe gesetzt. In seinem letzten Eintrag auf seiner Webseite, verbietet er sich, dass seine Kritik am System für die Kritik an den Corona-Maßnahmen missbraucht wird. Ich kann ihn verstehen. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Obwohl zahlreiche Maßnahmen deshalb so ausfielen, weil sie systemkonform waren. Eine Nähe dieser Kritik zu jener ist daher durchaus zu erkennen. Pispers hätte sie allerdings nicht so platt ausgedrückt wie so manch einer, der ihn in dieser Zeit vorgeschoben hat.
Erst am Samstag fand ich die richtigen Worte, um daraus eine re.action zu dem Schauspiel im Nationalrat zu machen. Auch meine Wochenschau ging diesmal – zum ersten Mal, seit es sie gibt nicht am Freitagabend sondern erst am Samstagnachmittag online. Mein schlechtes Gewissen hielt sich glücklicherweise in Grenzen.
4.
Neben Fußball und Lesen standen in diesen Tagen auch zwei Filme am Programm.
Freitagabend – wie üblich – Familienfernsehen. Da der ORF in den nächsten rund zehn Wochen wieder mal den Dancing Stars die Bühne im Hauptabendprogramm bietet, entfallen in dieser Zeit Comedy und Kabarett. Also schauten wir „Die Glücksritter“ mir Eddie Murphy, Dan Akroyd und Jamie Lee Curtis. Auch unser Sohn war begeistert, ich hatte den Film gar nicht mehr so witzig bzw. zeitgemäß in Erinnerung. Das Ende enttäuschte. Musste es wohl. Denn der American Dream durfte nicht angetastet werden, obwohl er so unrealistisch wie nur was ist. Und ist es wirklich erstrebenswert, den Rest seines Lebens mit einem an der Börse auf Kosten anderer verdienten Geld am Strand in der Gegenwart „schöner Frauen“ abzuhängen? Aber vielleicht bin ich nur neidisch …
Den zweiten Film an diesem Wochenende schaute ich allein. Der Tatort aus München wurde während eines großen NATO-Manövers gefilmt, er handelte von den für dieses Ereignis rekrutierten COBs, was in der Langform „civilists on battlefield“ bedeutet. Dafür gibt es sogar eigene Agenturen, von denen eben jene für diese Militärübungen vermittelt werden. Ist also sogar ein Geschäft. Bedrückend beeindruckend war die ganze Szenerie: vom us-amerikanischen Oberkommando, über Statisten, die ein bisschen mächtig sein oder einfach mal Krieg spielen wollen, bis hin zu sanfter Kritik am Militarismus oder einer Reminiszenz an den Jugoslawienkrieg in der 90ern des vorigen Jahrhunderts.
Literarisch bin ich derzeit weiterhin in den Steirerkrimis von Claudia Rossbacher gefangen. Da der nächste Band aber erst in 12 Wochen verfügbar sein wird, wie mir meine Online-Bibliothek mitteilte, muss ich Ersatz suchen. Gefunden habe ich schon mal etwas Leichteres, nämlich „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner. Und auch etwas „Schweres“, das in wenigen Wochen zu haben sein wird: der erste Band der dritten Staffel der Millenium Trilogie. Ursprünglich von Stieg Larsson geschrieben, ist nur Karin Smirnoff am Wort. Im Zentrum stehen der Journalist Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisa Salander.
5.
Auch der Song Contest rückt näher und mit ihm die nationalen Ausscheidungen. Für Österreich tritt ein Countertenor mit dem Künstlernamen JJ an, dessen Song in höchste Höhen führt, was viele fasziniert, mich aber nicht anspricht. Auch am Wettmarkt wird er neben Schweden und Israel derzeit als Favorit gehandelt. Die Finnen haben sich für Erika Vikman und ein Lied mit dem deutschen Titel „Ich komme“ entschieden, Schweden schickt eine finnische Band namens KAJ mit ihrer Ode an die Sauna ins Rennen. Der Favorit musste sich mit seiner Ballade dem leichten Spaßsong knapp geschlagen geben. Bis zum Tag X in zwei Monaten ist ja noch Zeit an der jeweiligen Perfomance zu basteln.
6.
Das normale Leben hat mich zwar wieder, aber es gibt noch so manches, was mich beschwert. Meine Lebendigkeit, meine Freude, mein Humor sind einer gewissen Trägheit und Müdigkeit gewichen. Ich weiß aber, dass ich mich davon nicht unterkriegen lassen darf. Als im chinesischen Sternzeichen des Pferdes Geborener ist hinlegen keine Option, außer man möchte das Leben beenden. Dafür ist es aber noch viel zu früh. Wichtig aber ist es, die Balance zu finden, zwischen dem, was mich belebt und jenem, was ich meine, tun zu müssen und mich in die gefährlichen Untiefen von Politik und Gesellschaft führt. Eine Übung, eine wahrhaft meisterliche Übung.

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Tag 9

5/3/2025

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1.
Der 9. Tag meines 60. Lebensjahres begann mit einer Einladung meines Sohnes, mit ihm den Start in die 3. Saison der „Baller League“ zu verfolgen. Bei diesem Hallenfußballformat spielen zwölf Teams, die von Streamern und/oder bekannten (Ex-)Fußballern gehostet werden in einem 6 gegen 6 für zweimal 15 Minuten gegeneinander, wobei für die letzten drei Minuten jeder Hälfte besondere Regeln gelten. Mein Sohn fiebert vor allem für zwei Teams mit, nämlich Hollywood United, das Team von Knossi und May Kruse, sowie Eintracht Spandau von Streamer Hand of Blood, der sich hier Präsident Knabe nennt. Letzterer lässt sich für die Performance seiner Mannschaft immer etwas Besonderes einfallen: diesmal trat ein Knabe(n)chor auf, um die für die Eintracht umgetextete Hymne der Champions League zu intonieren, gefolgt vom Spandauer Team Song „Spandau, Spandau wir lieben dir“.
2.
Unterbrochen habe ich das Fußballschauen für das ORF-Interview, das Susanne Schnabl und Armin Wolf mit den an diesem Tag angelobten Spitzen der neuen österreichischen Regierung führten. Es gab dabei keinerlei neue inhaltliche Erkenntnisse, deutlich aber wurde vor allem in der nonverbalen Interaktion der drei wie sie zueinander stehen. Der von mir vermutete Grund für die Einigung, nämlich die FPÖ als Regierungs- und Kanzlerpartei zu verhindern, bestätigte sich eindrücklich, Meinl-Reisinger und Babler verbindet nichts als das. Die Verhinderung eines frühzeitigen Endes dieser Regierungszusammenarbeit, das mehr als wahrscheinlich ist, wird wohl nur durch eiserne Disziplin und einem Festhalten an diesem kleinsten gemeinsamen Nenner möglich sein. Inhaltlich ist man sich in den meisten Punkten, die noch dazu aufgrund des von der EU geforderten Budgetkonsolidierungspfades allesamt unter Budgetvorbehalt stehen, noch nicht endgültig einig. Auch die Ministerbesetzungen, vor allem jene mit Markus Marterbauer als Finanzminister, bringen von Anfang an Spannung ins Gebälk.
3.
Nacht und Tag waren von einer gewaltigen Erschöpfung und nicht erholsamen Schlafphasen gekennzeichnet. Die Situation, in die die gesamte Menschheit von den leider viel zu oft psychopathisch zumindest angehauchten Regierungs- und Staatschefs Schritt für Schritt aber augenscheinlich unaufhaltsam hineinmanövriert wird, hat Auswirkungen auf meine Psyche und nun offenbar auch auf meinen Körper. Eine notwendige Auszeit ist schwer einzuhalten, ein Weiter-So, ein Anschreiben und -reden gegen den Wahnsinn unserer Zeit wohl ziemlich Kräfte raubend, mehr jedenfalls als ich gedacht hatte. Es gilt also Balance zu finden in den Stürmen der Gegenwart, ein Kentern hat keinen Sinn, eben so wenig ein Sich-den-Wogen-Ergeben. Erinnern muss ich mich dringend an die mir in meiner ersten großen Lebenskrise, die Körper, Geist und Seele (über)forderte vermittelten Grundsätze aus der chinesischen Philosophie, die sich im Qi Gong und Tai Chi für alle Ebenen ausdrücken. Habe ich nicht erst kürzlich hier davon geschrieben, dass ich Bewegung und Entspannung brauche? Wie prophetisch. Es zu erkennen ist das eine, es zu tun das andere, schwierigere. Aber wohl notwendig. Die nächsten Tage werden entscheiden …

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Tag 6-8

3/3/2025

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1.
So ein Wochenende rast auch ganz schnell dahin – und auch der erste Tag der neuen Woche ist schon wieder vorbei, zumindest in meiner Zeitrechnung, in der die Tage jeweils um 19.20 Uhr – meiner Geburtststunde – enden bzw. neu beginnen. Was die Zeit betrifft, gibt es ja das von vielen wahrgenommene Phänomen, dass diese desto schneller vergeht, je älter man wird. Vielleicht hat das ja mit dem Näherkommen des Lebensendes zu tun. Ähnliche Erscheinungen hatte ich in meinem Leben schon zuhauf. Sie traten immer dann auf, wenn ich bei einem Erlebnis, das mir lieb war, den Point of no return, also die Hälfte überschritten hatte: die Ferien oder den Urlaubsaufenthalt zum Beispiel, das Betrachten eines Filmes oder eines Fußballspieles, das Abendessen mit meiner Frau, der Spieleabend mit den Kindern, und noch vieles mehr. Dabei stellt sich mal mehr, mal weniger so etwas wie Abschiedsschmerz ein. Hat aber wenig Sinn diesem die Oberhand gewinnen zu lassen, denn da besteht die Gefahr, dass man die Hälfte des Lebens versäumt anstatt sie voll und ganz zu leben.
2.
Mein Leben ist vor allem durch meinen Sohn schon seit einigen Jahre durch Fußball getaktet. War es einige Zeit so, dass er selbst aktiv spielte und daher Woche für Woche am Samstag oder Sonntag für uns beide Matchday war oder wir als Platzsprecherduo alle 14 Tage das Stadion in zwei aufeinanderfolgenden Spielen mit Musik und Ansagen bei Laune hielten, so beschränkt sich unsere Fußballliebe aktuell auf den „Konsum“ von Matches aus der österreichischen, diversen europäischen Ligen und zahlreichen Länderspielen. Auch das ist zeitintensiv und mitunter anstrengend, weil wir in der Regel immer für eine Mannschaft mitfiebern. Der neutrale Blick ist uns selten gegönnt.
Es gibt immer wieder mal auch anderes Fernsehprogramm, am Samstag schauten wir gemeinsam mit meiner Frau parallel „Darüber lacht Deutschland“ und das Finale der deutschen ESC-Ausscheidung, wobei wir bei ersterem schwerpunktmäßig dran waren. Der Humor unserer Nachbarn unterscheidet sich vom österreichischen manchmal extrem, es gab doch überraschend viele Szenen, in denen zwar das Publikum lachte, mir bzw. uns aber gar nicht danach zu Mute war. Mutig fand ich, dass man sich bei RTL traute, auch ganz unwoke und politisch völlig inkorrekte Scherze aus den letzten 50 Jahren zu zeigen, was sehr befreiend war. Das uns in den letzte Jahren diesbezüglich übergestülpte Korsett wurde dadurch spürbar.
Beim Songcontest wird die Deutschen ein Geschwisterpaar mit dem auf Deutsch gesungenen Song „Baller“ vertreten, mich hat eher das Lied „Lovers on Mars“ der auf den zweiten Platz gereihten Montenegrinerin Lyza angesprochen. Aber, was soll’s. Den österreichischen Beitrag kenne ich noch nicht und in Finnland hat man sich erblödet den Song „Ich komme“ von Erika Vikman auszuwählen, der genau davon spricht, was man beim Titel denkt.
3.
Der Sonntag stand über Mittag und am frühen Nachmittag ganz im Zeichen der NEOS-Mitgliederversammlung, wo diese darüber entschieden, der Dreierkoalition zur Bildung einer österreichischen Bundesregierung beizutreten. Unter den zahlreichen Rednern befand sich bloß einer, der meinte, dass die NEOS besser aus der Opposition für das Land arbeiten können. In der Regierung müssten sie zu viele faule Kompromisse machen. Das Gegenargument, dass da dann wenigstens das eine oder andere, vor allem im Bildungsbereich und in der Außenpolitik umsetzen wird können, zog stärker und ermöglichte eine mehr als 94-prozentige Zustimmung der über 1700 Mitentscheidenden.
Was noch auffiel war die showartige Inszenierung der Versammlung, aber darum kommt man wohl heute auch als politische Partei nicht mehr vorbei. Die Inhalte kamen viel zu kurz, was dem engen Zeitrahmen geschuldet war, in dem das 211-seitige Regierungsprogramm nicht im Detail vorgestellt werden konnte. Aber das inhaltlich so wenig geboten wurde, fand ich dann doch überraschend. Wie schon gesagt: Kritik war kaum zu vernehmen, es ging vielmehr vom Anfang an darum, die Mitglieder in eine Entscheidung für die Regierungsbeteiligung mitzureißen, was letztendlich ja auch gelang.
4.
Für das leibliche Wohl der Familie auch war an diesem Wochenende – wie meist – ich zuständig. Ich machte Hot Dogs (einfach) und Chicken Nuggets (wegen der Panier ein wenig aufwendiger); beides kam sehr gut an.
5.
Da am Sonntagabend – zu Beginn meines 8. Tages im neuen Lebensjahr – kein Fußballspiel am Programm stand, schlug ich vor, gemeinsam „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ anzuschauen. Frau und Sohn waren dabei, wobei das Thema Liebe für den Junior zum Teil noch ein wenig peinlich ist, zumindest in der Gegenwart seiner Eltern. Ich amüsierte mich köstlich, dennoch hatte der Film auch für mich unerwartete Tiefen, die mich im Nachhinein und auch in den Träumen der Nacht noch beschäftigten. Sie führten auch dazu, dass ich im Gespräch mit meiner Liebsten, mein durchaus turbulentes Liebesleben reflektierte und mich daran erinnerte, dass es auch mir einmal passiert war, dass sich eine Frau in mich verliebt hatte, für die ich nicht das gleiche empfand.

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Tag 3-5

2/3/2025

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1.
Die Tage fliegen dahin, ihre Intensität in dieser ersten Woche im neuen Lebensjahr erreicht ungeahnte Höhepunkte. Zweimal musste ich an diesen drei Tagen auf meine Mittagspause verzichten, die mir heilig geworden ist. Zwei Teile hat sie, zum einen eine Meditation von Verena König, zum anderen ein Powernap von rund 20 Minuten, in Summe nie mehr als eine Stunde. Es gab so viel zu bedenken und zu schreiben, zudem Hausarbeit und einen notwendigen Wocheneinkauf. Vor vielen Monaten – es war im Frühsommer des Vorjahres – erklärte ich im Kollegenkreis stolz meinen Arbeits- und Lebensrhythmus. Ich sprach von drei Fixpunkten an allen meinen Tagen, egal ob Arbeits- oder Wochenendtag, nämlich: morgens Qi Gong, mittags Meditation und nachmittags Spaziergang. Geblieben ist nur der Mittagsstopp. Aber ich spüre, dass es sich lohnte, diesen Plan wieder aufzunehmen, weil Entspannung und Bewegung eine wesentliche Grundlage für die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben, denen ich mich verschrieben habe, bilden.
2.
Der Freitag war wie immer dem Jouranlistischen gewidmet, diesmal war – wie üblich – mein weekly zu schreiben und aufzunehmen, aber – und das zusätzlich – mein Podcast mit einem Rückblick auf den Monat Februar vorzubereiten, der nachmittags mit meinem Gesprächspartner Christian Janisch von Idealism Prevails (IP) aufgezeichnet und danach von mir editiert werden wollte – und das mit Text und Video an gleich drei Stellen, nämlich dem IP-Youtube-Kanal, meinem Blog und auf meinem Odysee-Kanal. Auch meine Wochenschau sollte wie üblich online gehen. Alles in allem ging sich das Ganze knapp aus und so konnte ich pünktlich mit Frau und Sohn den regelmäßigen Kabarettabend im Fernsehen genießen. Auch die neue Webcam, mit der ich meine in die Jahre gekommene und zuletzt Manderln machende, damals auf Empfehlung eines Redaktionskollegen bei Hofer zu einem sehr günstigen Preis erstandene ersetzte, funktionierte tadellos. Dafür begann – glücklicherweise erst nach den Aufnahmen – mein Yeti-Mikrofon zu spinnen, was wahrscheinlich an einem Wackelkontakt im Verbindungskabel zum PC liegt. Ich werde dieses mal ersetzen.
3.
Die Nächte verlaufen aktuell traum-voll, besser gesagt traum-reich, weil sie wenig erholsam sind. In einer gewissen Müdigkeit, die mich deswegen auch unter Tags begleitet, stellen sich leichter negative Gedanken und Bilder ein. So ist es mir zu eigen, dass ich schnell in die Melancholie abschweife. Wenn ich etwa an die Zukunft meines Katers denke, dann sehe ich ihn nicht wild durch die Gegend tollen oder genussvoll in der Nachmittagssonne liegen, sondern ihn verloren gehen oder sich einsam und verletzt im Gebüsch verstecken und auf Heilung oder den Tod warten. Da mir dieses Denken offenbar zu eigen ist, bin ich es gewohnt. Gewohnheiten legt man nicht so schnell ab, auch wenn es not-wendend wäre. Einen Impuls dazu gab mir mein Leben regelmäßig: die meisten dieser Untergangsphantasien haben sich nie in Realität verwandelt. Aber es ist mir eingeschrieben (worden), das Schlimmste zu erwarten, um dann erleichtert das Bessere zu erleben. In Summe aber, über die Jahrzehnte, zehrt diese Weltsicht sehr an der Substanz. Mag sein, dass mir die Anerkennung des Absurden helfen wird, mich auch von einer anderen Eigenschaft zu befreien, die ich mir schon im Lauf meiner Kindheit angeeignet habe: alles im Griff haben und unter Kontrolle bringen zu wollen, sowie davon auszugehen, dass ich mit magischem Denken alles beeinflussen kann. Das Paradoxe dabei ist, dass ich selten positive Gedanken habe – und die negativen beeinträchtigen mein Leben mehr als mir lieb ist. Nachdem man sich aber, so lange man lebendig ist, weiterentwickeln kann, steht hier ein nötiger Entwicklungsschritt an. Es darf auch mal alles gut sein, und wenn nur für einen Moment, idealerweise natürlich wesentlich länger.
4.
Die politische Entwicklungen in Österreich haben natürlich auch das ihre dazu beigetragen, dass ich ein wenig „drüber“ bin. Dass sich nun eine Dreierkoalition gefunden hat, die demnächst auch angelobt worden sein wird, ist zwar nicht die schlechteste Nachricht, ihre Tragfähigkeit und Lebenserwartung macht mir aber sorgen; vor allem, weil sie unter dem Diktat geschmiedet wurde, einen FPÖ-Kanzler zu verhindern. Auch das schon geschnürte Sparpaket und die wenig erfreulichen Aussichten auf einen Frieden im Russland-Ukraine-Krieg tragen nicht zum Optimismus bei. Es bleibt bei einer Bombenstimmung auf allen Ebenen – und solche Zeiten möchte ich meinen Kindern und meinen Enkeln dringend ersparen; ja auch mir, ich hatte das Glück, sie bislang nicht erleben zu müssen. Möge das so bleiben.

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Tag 2

25/2/2025

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Der nächste Tag meines sechzigsten Lebensjahres begann – wie jeder Tag – abends. Nach anstrengenden Arbeitsstunden nahm ich mir den Abend frei und schaute – wie oft am Montagabend – einen Film an; diesmal sogar zwei, nämlich einen allein und einen mit meiner Frau. Beim Spreewaldkrimi wusste ich, dass ihr die Story nicht behagen würde, also nahm ich ihn mir alleine vor. Tatsächlich war der Krimi ein Mischmasch aus Fantasy, Astrophysik und Verwirrendem. Levi A. Than kam in Person eines Gelehrten, der Vorträge zur Unfassbarkeit der Zeit hielt, (wieder) in die Welt, um den pensionierten Kommissar Krüger herauszufordern und ihn in verschiedenste Paralleluniversen zu schicken, in denen er letzten Endes alles verlor, die ihm lieb sind; auch sein Leben hing an einem seidenen Faden. Alles in allem diesmal absolut zu viel des Guten oder auch Schlechten. Ich hätte mir einen solchen Plot nicht zu produzieren getraut, aber da bin ich eines besseren belehrt worden: es geht – und das sogar im öffentlich-rechtlichen ZDF.
Dagegen war Stubbe mit dem in der Kritik zum Film als letzten Volksschauspieler bezeichneten Wolfgang Stumph eine solide, wenn auch vorhersehbare Arbeit. Aber das muss ja nicht schlecht sein, und war es auch nicht. Stumph, der zum 30-jährigen Jubiläum der eigentlich schon 2014 beendeten Serie, mimte im nunmehr vierten Special ein allerletztes Mal sein Alter Ego Hauptkommissar Wilfried Stubbe. Dabei ging es ums Eingemachte, denn ein von seiner als Journalistin arbeitenden Tochter vor Jahren wegen seiner kriminellen Machenschaften bloßgestellter Manager übt Rache und versucht die Familie Stubbe zu zerstören. Aber ganz besonders diesmal gibt es auf allen Ebenen ein Happy End und so kann man die Protagonisten der Serie getrost ihrer Wege ziehen lassen.
Ein Sidestep mit einer kritischen Betrachtung des Journalismus der Gegenwart wird mir in Erinnerung bleiben. Die Redaktion, in dem Stubbes Tochter arbeitet, ist völlig ausgedünnt, man lebt davon, dass man Agenturmeldungen verarbeitet; für tiefgründige Recherche und eigenständige Beiträge fehlen Geld und damit Zeit. In diesem einen Satz, der zwischendurch eingestreut wurde, verdichtete sich das gesamte Drama des Journalismus unserer Tage. Daher ist es so wichtig, dass es alternative und unabhängige Berichterstattung gibt, die von idealistischen Journalisten lebt, die sehr oft nur ehrenamtlich tätig sind. Ich bin ja seit einem Jahr bemüht, meine Beiträge auf meinem Blog mkd.report[s] zu Geld zu machen. Ein zähes Unterfangen, das ich aber sicher nicht aufgeben werde; zu wichtig ist mir die richtige journalistische Arbeitsweise, die Informationen in die Welt bringen will und nicht nur Platitüden.
An diesem Tag machte ich mir auch ein weiteres Geburtstagsgeschenk, in dem ich meine „poetry[s]“ aus dem Journalismus-Blog löste und dafür eine eigene Substack-Seite in die Welt setzte. Beim Übertragen der Inhalte, das mehrere Stunden dauerte, bemerkte ich, wie viele Inhalte ich da im Lauf eines Jahres publiziert hatte – und das ist ja nur eine kleine Auswahl all dessen, was ich schon geschrieben habe. Mein Gewinner-Beitrag des Schreibwettbewerbs der Kremser Stadtbücherei kam mir dabei unter, den ich in den ersten Corona-Tagen verfasst hatte und der sich mit der damals völlig neuen Situation beschäftigte. Der Titel: „Was vom Hasen übrigblieb“. Und ein wesentlich älterer Beitrag aus 2014, den ich kürzlich wieder veröffentlicht habe, beschäftigt sich mit dem immerwährenden und unsäglichen Sehnen der Menschen nach einem starken Mann, was immer in den Untergang führen wird. In „Hairy Harry“, das ich beim FM4-Schreibwettbewerb zum Thema „haarig“ erfolglos eingereicht habe, projiziert man den Rettungswunsch in einen dichtbehaarten blondlockigen jungen Mann. Aber lesen Sie selbst.
In dieser Woche verlange ich mir noch ein dichtes Schreibprogramm ab, neben meinen täglichen Tagebucheintragungen in „Road to my 60s“, gilt es auch die daily[s] zu produzieren, am Freitag mein weekly und am selben Tag auch den Monatsrückblick mit Christian Janisch aus der Redaktion von Idealism Prevails. Es wird sich zeigen, was alles geht. Tja, und dann will ich ja meinen ersten Newsletter von M.A. Karjalainen versenden, mit dem Hinweis auf die neue Webpräsenz und der Einladung, mich auf meinem Weg zu begleiten.
Also mache ich für heute mal Schluss, um mich dem vielen Anderen zu widmen.

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