M. A. Karjalainen
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moriturus t. salutat

Bild von Erik Karits auf Pixabay 

Der Tod steht uns gut - salutatio #18

2/11/2025

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Gedanken zum Allerseelentag
Für die einen ist er die Zumutung schlechthin, für die anderen der Moment der Erlösung, gar nicht so wenige sehen ihn auch als den Beginn eines neuen, vielleicht sogar des eigentlichen Lebens: der Tod beschäftigt uns Menschen oft ein Leben lang, mindestens aber in den Momenten, wo er uns durch Ereignisse im Umfeld, durch Katastrophen, von denen uns die Medien berichten, oder durch ganz persönliche Schicksalsschläge, die uns durch Krankheit oder Unfall ereilen, bewusst wird.
In den anderen Phasen unseres Lebens versuchen wir ihn soweit wie möglich von uns fern zu halten, zu verdrängen oder gegen ihn anzukämpfen, in dem wir dazu beitragen, dass Menschen möglichst lange leben, inklusive Unsterblichkeitsphantasien. Wenn wir uns aber der eigenen Endlichkeit ganz bewusst stellen, dann können wir eine nicht gekannte Freiheit erreichen, nämlich die Befreiung von der so oft allgegenwärtigen Todesangst.
Tatsächlich ist dies aber eine Übung, die wir nirgendwo und von niemandem lernen, außer wir machen uns auf die Suche nach den Lehrmeistern dieser Disziplin. Diese sind nicht bloß im Außen zu finden, sondern mit einiger Geduld ganz sicher im Inneren. Das wiederum verlangt Zeit, aber auch Mut. Es verlangt auch Fokussierung auf die unumstößliche Tatsache, dass wir eines Tages sterben werden. Wer Ängste nicht wegschiebt, sondern ihnen, wenn sie auftauchen, die volle Aufmerksamkeit widmet, wird – so sagt man – Furchtlosigkeit erreichen. Sogar im Angesicht des unausweichlichen Todes.
Unsere Gesellschaft bietet uns für den Weg, uns auf das eigene Sterben und das Ende unseres Lebens vorzubereiten, keine Zeit. Wir werden möglichst lange im Erwerbsarbeitsprozess gehalten, wir können jeder Menge Ablenkung frönen – Stichwort: Brot und Spiele – und wir werden auch noch in den so genannten Pensionsjahren als Konsumenten auf Trab gehalten sowie als Beispiel für den Fortschritt der Schulmedizin so lange wie möglich am Leben erhalten.
Zudem hat es zumindest den Anschein, dass wir trotz der bloß rund acht Lebensjahrzehnte, die wir in unseren westlichen Gemeinschaften durchschnittlich erleben, ständig darum bemüht sind, einander das Leben so schwer wie möglich zu machen. Schaut man sich Entscheidungen, die wir treffen oder die von anderen, wie Politikern, Ärzten, Gurus u.v.a.m. für uns getroffen werden, dann ist dieses Muster zu entdecken: viel zu oft leben wir auf Kosten von anderen – und werden daher auch selbst zu Menschen, denen solche Kosten von anderen aufgebrummt werden. Kriege sind eines der augenscheinlichsten Beispiele dafür; die gibt es aber auch im ganz Kleinen, Persönlichen. Immer dort, wo ein Konflikt nicht konstruktiv bearbeitet wird, wo das Recht-haben-Wollen damit einher geht, dass wir andere verletzen oder gar vernichten, beginnt das Unheil zu wachsen, das uns allen das kurze Leben schwer macht.
Warum sind wir nicht längst darum bemüht, uns das Leben gemeinsam unbeschwert und schön zu machen? Warum sind wir nicht längst darum bemüht, die vielen Baustellen, die diese Welt uns bietet, unter Berücksichtigung von Situation und Person zu bearbeiten und den Versuch zu unternehmen, auf diese Weise allen und allem gerecht zu werden? Warum sind wir nicht längst darum bemüht, uns als kleiner Teil einer großen Gemeinschaft zu sehen, dessen Handeln im Kleinen eine Wirkung auf das große Ganze hat?
Der ungeschönte Blick auf das bevorstehende Ende unseres Lebens wird uns beim Finden von Antworten ein wichtiger Impuls sein. Unabhängig von dem, welche Vorstellung wir von dem haben, was uns nach dem Tod erwartet, Himmel oder Hölle, Nirwana oder Nichts, gilt es uns dem Leben zu widmen, das wir gerade leben. Dieses gibt es nur einmal. Und wir, die wir in unseren Breiten noch das große Glück haben, unter Lebensumständen leben zu dürfen, die Reflexion erlauben, haben die Verpflichtung, diese Möglichkeit zu nutzen und sie durch unser verändertes Da-Sein in die Welt zu bringen.
Zeiten des Umbruchs, wie wir sie gerade erleben, die den Tod an unsere Haustür bringen, sind Zeiten der Katharsis, der Läuterung. Wir leben gerade in einer sich zum Höhepunkt entwickelnden Tragödie, deren Ziel eben jene Umkehr ist. Glücklicherweise gibt es den Tod, der ermöglicht uns die Hybris hinter uns zu lassen. Der Tod steht uns nämlich sehr gut, wenn wir ihn denn nur endlich den ihm gebührenden Platz in unserem endlichen Leben einräumen.

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Es gibt keinen Tod - salutatio #17

19/4/2025

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FreiSein durch das Bewusstsein für immerwährendes Leben
Einige der zentralsten Fragen unseres Menschseins sind jene nach dem Sterben, dem Tod und dem Danach. Obwohl sie diese wesentliche Bedeutung haben, sind wir tagtäglich darum bemüht, uns nicht mit ihnen auseinander setzen zu müssen und verweigern aus diesem Grund auch das wichtige Finden von Antworten.
Viele große Geister, aber auch eine erkleckliche Anzahl von ganz „einfachen“ Menschen, haben sich schon Gedanken dazu gemacht und uns im Kleinen wie im Großen an ihren Erkenntnissen teilhaben lassen. Ich denke da etwa an die Mystiker der verschiedenen Religionen, denen jegliche Buchideologie suspekt war und die ganz persönliche und tiefgreifende Erfahrung mit der Wirklichkeit hinter den materiellen Dingen gemacht haben; oder jenen Menschen, denen Nahtoderlebnisse zu Teil geworden sind; oder auch die, die ihre Suche so lange nicht aufgegeben haben, bis sie Antworten gefunden haben, wie etwa Rudolf Steiner, Ken Wilber oder Lothar Hollerbach. Diese Auswahl ist natürlich sehr subjektiv und absolut nicht vollständig. Wenn man sich aber ehrlich bemüht, wird man meiner Liste eine ganz individuelle hinzufügen können, das Wissen dazu liegt quasi auf der Hand oder in unmittelbarer Umgebung.
Das kurz bevorstehende christliche Osterfest lädt wieder dazu ein, diesem wichtigen Thema Raum zu geben. Die nun zu Ende gehende Karwoche will uns auf die Unausweichlichkeit des Todes vorbereiten, jenes Todes nämlich, den unsere materielle Hülle, unser Körper also, früher oder später einmal ereilen wird. Er ist wie alles in dieser Welt der Vergänglichkeit unterworfen. Das ist der große Stachel im Fleisch menschlicher Existenz, gleichzeitig aber auch der Ansporn, dieses einmalige Leben auch wirklich zu leben; uns also mit aller Kraft, mit aller Leidenschaft, mit aller Intensität dem zu widmen, was unsere Aufgabe ist. Ein schöne Bezeichnung in diesem Zusammenhang ist für mich auch der Begriff „Hingabe“. Ich gebe mich quasi dem hin, was ich der Welt zu geben habe und leiste damit einen wesentlichen Beitrag, dass auch diese Welt eine himmlische ist. Diese Hingabe ist aber keineswegs ein Ausbluten, sondern sie ist, aus einer spirituellen Quelle gespeist, das Instrument, um allem Leben zu dienen. Wörter wie diese werden sehr oft missverstanden, was schade ist. Denn dadurch wird die Umsetzung von Wesentlichem gebremst, be- oder gar verhindert. Aber alle spirituellen Richtungen verbindet die Tatsache, dass Dankbarkeit und Geben wesentliche Elemente eines geglückten Lebens sind. Die Basis dafür ist eine gesunde Selbstannahme, die oft zitierte Selbstliebe. Ohne sie sind alle Bemühungen mit dem Makel versehen, dass man deswegen gibt, um Dankbarkeit zu erhalten oder Energie schöpft, die man aus sich selbst heraus nicht hat.
Ein Leben, das so gelebt wird, ist ein erfülltes Leben. Ein Mensch, der so gelebt hat, also seinen Lebensauftrag erfüllt hat, kann ohne Abschiedsschmerz seinen Körper verlassen und in seine nächste Existenzform eintreten. Mystiker und tief Meditierende können schon zu Lebzeiten außerkörperliche Erfahrungen machen. Sie erleben damit das, was sie – und uns alle – dann nach ihrem körperlichen Tod erwartet.
Diese Erkenntnis kann man nicht mit dem Gehirn erfassen, das uns in der irdischen Existenz wichtige Dienste leistet; unsere fünf Sinne sind nicht in der Lage, über das Materielle hinaus zu „denken“. Dafür braucht es eine Eigenschaft, die wir gerne mit verschiedenen Begriffen bezeichnen: Übersinnliches, sechster oder siebenter Sinn, Bauchhirn und noch vieles mehr sind Versuche, diese Dimension des Menschseins zu erfassen.
Wie auch immer diese Erfahrungen nach dem irdischen Tod bezeichnet oder beschrieben werden, sie haben eines gemeinsam: Es existiert neben Körper, Geist und Psyche auch so etwas wie eine Seele, die den Körper zu Lebzeiten bewohnt, ihn damit auch in Raum und Zeit festhält und sich nach seinem Hinscheiden in eine neue, allumfassende Dimension bewegt, die alle irdischen Erfahrungsmöglichkeiten übersteigt. Auch die Quantenphysik wird gerne als Brücke zwischen diesen beiden Dimensionen verstanden, denn ihr und ihren Forschern ist es gelungen, uns Wesentliches über die Transzendenz aufzuzeigen und auf einen notwendigerweise hinter den Dingen liegenden Urgrund oder Schöpfer hinzuweisen.
Es lohnt sich also, sich schon bei Zeiten auf diese Dimension des Seins einzulassen; Literatur dazu gibt es genug, am Ende seien hier nur einige wenige Werke genannt. Wesentlicher aber ist es, sich auf den Weg persönlicher Erfahrungen zu begeben. Dafür lohnt es, sich ausreichend Zeit zu nehmen. Denn damit wird es letzten Endes gelingen, dem Tod den gehörigen Platz einzuräumen, ihm aber auch seinen immer noch weit verbreiteten Schrecken zu nehmen.

Ausgewählte Literatur:
Rudolf Steiner, Okkulte Untersuchungen zwischen Tod und neuer Geburt, 1961
Ken Wilber, Eros-Kosmos-Logos, 2001
Anton Zeilinger, Einsteins Spuk, 2006
Lothar Hollerbach, Es gibt keinen Tod, 2011

Dieser Beitrag erschient zeitgleich auf den Seiten des Online-Magazins fürs FreiSein “Unsere ZeitenWende” zu Ostern 2025.

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Marianengraben - salutatio #16

5/4/2025

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Wer sich intensiv mit Tod und Sterben auseinandersetzen will, dem sei die Lektüre von Jasmin Schreibers Roman „Marianengraben“ aus 2020, dessen Verfilmung im November auch in den deutschsprachigen Kinos mit dem kongenialen Edgar Selge in einer der beiden Hauptrollen Premiere hatte.
Der Plot in aller Kürze: Eine junge Frau, Paula, die nach dem Verlust ihres Bruders in eine tife Depression gestürzt ist und sich mit Hilfe einer Therapie daraus befreien will, trifft bei ihrem nächtlichen Besuch am Grab des Verstorbenen auf den 80-jährigen Helmut. Der ist auch des Nächtens auf ebendiesem Friedhof, um die Urne seiner Exfrau auszubuddeln und das ihr gegebene Versprechen zu erfüllen, mit ihr in die Berge zu fahren. Auf dem Roadtrip passiert die eine oder andere Skurilität, der Tod als Teil des Lebens ins allgegenwärtig. Das führt zu einem Wechselbad der Gefühle, die Story ist beängstigend, herzzreißend und auch beruhigend. Am Ende stehen – ja, was sonst – Leben und Tod.
Was mich sehr berührt hat, ist eine Unterscheidung, die Helmut in einem Gespräch mit Paula macht. Er fragt sie, ob sie denn sterben oder nur nicht leben wolle. Für ihn ist das nämlich ein entscheidender Unterschied – und dem kann die junge Frau eine Menge abgewinnen. Und auch ich. Und vielleicht sogar viele andere auch, die mit einer aktuellen Situation so überfordert sind, dass sie – zumindest so – nicht leben wollen. Ihnen wäre tatsächlich zu helfen, bevor sie dann nur noch sterben wollen. Denn vom gewollten Sterben und seiner Folge, dem Tod, kann man dann wirklich niemanden mehr abhalten. Aber die Spanne zwischen diesen Zeitpunkten ist die Entscheidende. Denn ein anderes Leben ist immer möglich. Und der Tod aber endgültig.
Oder wie es Reinhard Fendrich in einem seiner ersten Songs, einer Hymne, mit dem Titel „Leben“ sagt: „Wir wollen uns noch rasch soviel von allem nehmen, wie wir zu tragen fähig sind. Wir brauchen uns vor unserem Gott bestimmt nicht schämen, denn um zu leben waren wir bestimmt.“

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Die Unausweichlichkeit des Todes - salutatio #15

27/3/2025

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Der Tod hat mich von Kindheit an beschäftigt und von da an leider das Fürchten gelehrt. Diese Furcht befällt mich noch heute immer wieder – und das nach knapp sechs Lebensjahrzehnten. Sie hat mich eigentlich nie verlassen, außer in den Momenten, in denen ich mich im schlechtesten Fall in die Arbeit oder eine Beziehung stürzte oder im besten Fall in etwas vertiefte, was mir ganz am Herzen lag.
Diese Todesfurcht hat ihre Wurzeln in der Todesfurcht meiner Mutter. War es bei ihr wirklich Todesfurcht oder eher eine grundsätzliche Furcht vor der Veränderung, deren endgültigste eben das Ende der Existenz in diesem Körper ist? Im Moment des Todes verliert der Mensch endgültig die Kontrolle über sein Leben. Diese Kontrolle bis zuletzt nicht abgeben zu können, verlängert aber womöglich die Todesqualen, nein, eigentlich erzeugt sie diese erst. Den der Tod muss keinesfalls qualvoll sein, denke ich.

Als ich 4 oder 5 Jahre alt war starben innerhalb weniger Wochen meine Großtante und mein Großonkel, mit denen wir in einem Haus gelebt hatten. Sie waren sogar die Eigentümer dieses Gründerzeithauses in Wien, in dem auch meine Großeltern mütterlicherseits lebten. Es war immer fein bei ihnen, es gab in ihrer wunderbar großen Wohnung für meine Schwester und mich, die wir mit unseren Eltern mit Zimmer und Küche auskommen mussten, jede Menge Besonderes zu entdecken. Der Verlust dieses Spielplatzes schmerzte ebenso wie der Verlust dieser beiden liebevollen Menschen. Schon einige Zeit vorher war meine Urgroßmutter, die mit ihrer Tochter (meiner Oma) und deren Mann (meinem Opa) in der Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung meiner Großeltern lebte. Das habe ich nicht so einschneidend in Erinnerung, sie war – soviel weiß ich noch – lange Zeit bettlägrig. Und irgendwie waren alle froh, dass sie mit knapp 90 dann ihre Ruhe fand.
Um diese außergewöhnliche Situation zu bewältigen, zeichnete ich auf alle möglichen Papiere – so unter anderem auf einen PSK-Erlagschein – die Gräber meiner Großtante und meines Großonkels, ich malte weinende Menschen und fügte meinen Lieblingszeichnungen von Postbussen weinende Wolken hinzu. In dieser Zeit war ich der Trauer ziemlich alleine ausgeliefert, denn die trauernden Erwachsenen waren sehr mit sich beschäftigt. Von den Verstorbenen erbte ich einen kleinen Teddybär, einen ewigen Kalender und einen Atlas der damaligen Welt. Das konnte meine Betroffenheit im Lauf der Zeit lindern.

Alljährlich zu Allerheiligen galt es die Friedhöfe zu besuchen. Meine „liebste“ Beschäftigung war das Errechnen des Lebensalters der Verstorbenen, in dem ich die Differenz zwischen dem Todes- und dem Geburtsjahr berechnete. Ich verglich das Alter mit meinem und errechnete wie viele Jahre mir noch blieben. Das hat sich so tief eingeprägt, dass ich diesen Tick bis heute nicht wirklich abgelegt habe. Das Ergebnis allerdings wird von Jahr zu Jahr beunruhigender.
Wie gerne würde ich meinen Frieden mit dem Tod machen.

Eine meiner „Maßnahmen“ mich mit ihm zu versöhnen, war die Ausbildung zum Begräbnisleiter in der römisch-katholischen Kirche, die einstmals eine gewisse Heimat für mich war – ehe ich deren Machtstrukturen und den ihnen innewohnenden Missbrauch entdeckte und sie fluchtartig verließ. Nach erfolgreicher Prüfung begleitete ich zahlreiche Begräbnisse, bei denen ich sehr oft von Schwindelgefühlen und Panik ergriffen wurde. Was mir - so die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu diesen von mir geleiteten Ritualen – offenbar nicht anzusehen war; vielmehr fand ich scheinbar die richtigen Worte, um trauernde Menschen zu beruhigen und diesen zumindest für eine Weile Hoffnung und sogar Zuversicht zu geben, auch für ihren eigenen Tod.

Wie gerne würde ich meinen Frieden mit dem Tod machen.
So versuche ich es erneut, diesmal allerdings auf eine andere Weise. Nicht das gesprochene Wort zählt, sondern das geschriebene. Diese Kolumne ist beredtes Zeugnis davon. Ich hoffe, dass mir die Übung gelingt, diesmal nicht nur meinem Publikum die Todesfrucht zu nehmen, sondern endlich auch mir selbst.

Es ist ja völlig paradox, wenn nicht sogar vollkommen ver-rückt, sich das ganze Leben von etwas vermiesen zu lassen, was nicht zu verhindern ist. Das Leben will gelebt werden und nicht gefürchtet. Möge die Übung diesmal tatsächlich gelingen.

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Memento mori - salutatio #14

4/3/2025

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Wie habe ich es als Kind geliebt, als in der Wohnung meiner Großeltern nach dem gemeinsamen Mittagessen eine große Stille eingetreten ist, die nur vom regelmäßigen Ticken der Küchenuhr unterbrochen wurde. Wobei unterbrochen ist das falsche Wort. Begleitet, ja begleitet passt um vieles besser.
Diese große Stille wurde also vom Ticken dieser Küchenuhr begleitet. Sich auf es einzulassen hatte etwas sehr Meditatives. Während mein Großvater in seinem Lehnsessel döste und meine Großmutter in ihrem ein wenig in ihren Magazinen schmökerte, bevor auch sie wegdöste, durften meine Schwester und ich am Sofa knotzen und Comics lesen. Aus der Küche in der klassischen Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung tönte, wenn man sich darauf fokussierte, der eintönige Klang des Uhrentickens. Ich tat dies öfter als tatsächlich zu lesen, wurde dadurch vom Inhalt der „Heftl’n“ immer wieder in das Wesen der Zeit entführt. Es spürte sich einerseits beruhigend an, dieser Gleichklang, andererseits auch bewegend, als Zeichen, das es stetig weitergeht. Nicht zuletzt aber mischte sich in dieses Tick-Tack auch ein schaler Beigeschmack: die Zeit vergeht – und mit ihr das Leben. So jung wie ich war, so alt waren meine Großeltern. So viel Leben ich noch vor mir hatte, so wenige Jahre waren ihnen noch beschieden. Der Lauf der Dinge.
Vor rund zehn Jahren habe ich eine dieser klassischen Küchenuhren – eine von Junghans - antiquarisch erworben. Damals ging ich auf die Fünfzig zu, ließ also, zumindest statistisch gesehen, mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir; erkannte und erlebte, was es bedeutete, dass die Zeit gefühlt immer schneller zu vergehen begann; sah plötzlich so viel Vergangenheit und immer weniger Zukunft vor mir. Mit diesem Bewusstsein begann ich ein Ritual zu verankern. Jeweils am Sonntag zog ich die Uhr, deren Uhrwerk etwas mehr als sieben Tage Gangreserve bietet, auf, um meinem Leben die nächste Woche Zeit einzuhauchen. Das tue ich nun schon rund zehn Jahre lang, Sonntag für Sonntag. Und die alte Uhr läuft immer noch und gibt ihr manchmal beruhigendes und immer wieder mal beunruhigendes Tick-Tack von sich.
Warum beunruhigend?
Ich erinnere mich, dass das Ticken der Uhr und damit der Zeit, auch einigen Menschen aufgefallen ist, mit denen ich online kommunizierte. Sie waren davon irritiert und fragten mich, was dieses Geräusch denn sei. Ad hoc antwortete ich: „Das ist meine alte Küchenuhr. Mein memento mori.“ Als ich diese Aussage im Nachhinein reflektierte, wurde mir klar, dass diese mir spontan eingefallenen Worte, etwas in meine Realität brachten, was auch ich gerne verdränge: meinen eigenen Tod. Und dieser Gedanke beunruhigte mich zutiefst. Bei näherer Betrachtung fand ich aber auch etwas Befreiendes darin: denn alles hat ein Ende, das eine wie das andere; das Belebende, aber eben auch das Lähmende; die Freude, aber eben auch die Angst; das Schöne, aber eben auch das Schlimme. In einer weiteren Betrachtung kam mir auch jene Mechanismen in den Sinn, die wir Menschen in unserer Todesfurcht wählen, um diese zu verdrängen. Und ich wünschte mir und der Welt einen Sinneswandel: Was wäre, wenn wir uns als Todgeweihte begreifen und uns und einander das Leben auf diesem Planeten wunderschön machen, anstatt es uns und einander im Kampf um das längere und bessere Leben schwer und mühsam zu machen?
Angesichts des sicheren Todes ist das eine wertvolle und brauchbare Alternative, finde ich.
Wer macht mit?

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Leben ist immer lebensgefährlich - salutatio #13

24/2/2025

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Einer meiner Lieblingsautoren, der vor allem durch seine Kinderbücher bekannte Erich Kästner, hat es in einem seiner vielsagenden Aphorismen wunderbar auf den Punkt gebracht:
„Wird's besser? Wird's schlimmer?, fragt man alljährlich. Aber seien wir ehrlich, Leben ist immer lebensgefährlich”, schreibt er uns ins Stammbuch.
Deutlicher kann man das nicht zum Ausdruck bringen, was uns allen im Leben blüht: die ständige Gefahr zu Tode zu kommen, an deren Ende wirklich unser Tod steht. Angesichts dieser Tatsache klingt es ver-rückt, dass wir den Tod, dem wir nicht ausweichen können fürchten. Und ich betone: „Fürchten“. Denn Todesfurcht und Todesangst sind für mich zwei Paar Schuhe. Angst hat in meiner Definition immer etwas lebensspendendes, sie hilft uns, lebensgefährliche Situationen zu erkennen, zu vermeiden bzw. zu bewältigen. Furcht ist aus meiner Sicht etwas „Künstliches“, etwas, das uns aus der Spur bringt, das uns panisch, ja ver-rückt, nämlich aus unserer Lebensmitte gerückt werden lässt. In der Todesangst begegnen wir dem Tod auf Augenhöhe und wehren uns im Idealfall mit den nötigen Mitteln, um am Leben zu bleiben. Mit der Todesfurcht vermeiden wir diesen klaren Blick auf unser sicheres Ende und suchen jede Menge Möglichkeiten, dem Tod nicht begegnen zu müssen. Diese Haltung hat massive Auswirkungen auf unser eigenes Leben, aber auch das Leben in der Gemeinschaft, in der Gesellschaft, in der wir leben. Die Folgen sind dramatischer als es auf den ersten Blick scheint. Sie verübeln uns und allen anderen das wirkliche Leben. Eine der drastischsten Reaktionen ist das Sicherheitsbedürfnis, das jene, die wir beispielsweise bei Wahlen in die Verantwortung gebracht haben, dazu nutzen, unser Leben und unsere Freiheit einzuschränken. Doch die Furcht bleibt. Denn: siehe Erich Kästner.
Es braucht also andere „Mechanismen“, um dem für uns Unsäglichen zu begegnen. Und die gibt es! Zuerst aber muss es uns bewusst werden, dass wir und unsere „westliche“ Zivilisation so ticken. Das ist der erste Schritt. Und der zweite Schritt könnte sein, dass wir erkennen, dass Leben nur im Augenblick, im Hier und Jetzt wirklich stattfindet - und nicht im Vergangenen oder Zukünftigen.
Dazu dann in weiterer Folge mehr. Nun gilt es einmal diese Zumutung zu verdauen: Das einzige, das im Leben sicher ist, ist unser Tod.

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salutatio #12

11/12/2021

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Ein Jahr, vergangen wie im Flug, und dennoch voll mit Eindrücken, die auf ihren Ausdruck warten. Druck, ein wichtiges Wort in diesem vergangenen Jahr, wachsend, daher immer bedrückender. In den letzten knapp 400 Tagen habe ich mich als Todgeweihter für das Leben einzusetzen versucht, für das gute, wahre und schöne Leben. Ich habe an vielen Ecken und Enden mitzubauen versucht an einer "real brave new world" und ich bin viel zu oft beim "Feuerlöschen" hängen geblieben. Die Sorgen, die Ängste, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Menschen, die mir begegnet sind, denen ich begegnet bin, waren wahrzunhemen, waren anzuhören, waren aufzugreifen.

Und nun ist es Zeit, einen Turnaround zu schaffen, der mich und andere in eine gute Zukunft bringt. Es gilt nach vorn zuschauen, die Ärmel aufzukrmeplen und gemeindam an dieser neuen Welt des Guten, Wahren und Schönen zu arbeiten.

Und nun ist es - mehr als ein Jahr nach meinem letzten Eintrag -  höchste Zeit für eine nächste "salutatio".

Darum habe ich mich am Tag der Menschenrechte am gestrigen 10.12.21 im Rahmen einer Kundgebung am Platz der Menschrechte in Wien eine Rede gehalten, die alle Zuhörenden einladen will, sich auf den Weg dorthin zu machen. Hier meine Ausführungen im Wortlaut:
Warum sind Sie, warum seid ihr, warum bin ich heute hierher gekommen?


Ich bin heute hierher gekommen, weil es zu jeder Zeit wichtig ist, sich immer wieder der Menschen- Grund- und Freiheitsrechte bewusst zu werden, sich ihrer zu besinnen, sie zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen. „Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt“, singt Reinhard Mey in seinem Lied „Sei wachsam!“. Und tatsächlich haben wir alle nach und nach unsere Freiheit zugunsten vermeintlicher Sicherheit und wohlmeinender Vergewohltätigung (wie es der freischaffende Philosoph Bertrand Stern nennt) aufgegeben, schon viele Jahre lang, schon viele Jahrzehnte lang.



Ich bin heute hierher gekommen, weil ich dankbar bin.
Dankbar für alle, die eben jene Rechte und die Verfassung als Basis ihres Tuns, als grundlegende Lebenshaltung achten
Dankbar für alle, die sich an jenen Eid halten, den sie eines Tages geschworen haben
Dankbar für alle, die den Ehrenkodex für ihr berufliches Handeln einhalten, zu dem sie sich eines Tages verpflichtet haben
Dankbar für alle, die mit mir und nicht über mich reden
Dankbar für alle, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben.
Ja, auch dankbar für die aktuelle Situation, weil sie aufzeigt, was alles schief gelaufen ist, was alles aus dem Ruder gelaufen ist, was wir alle zugelassen haben, was wir als Normalität akzeptiert haben in allen Bereichen unseres Lebens, sei es Gesundheit, Bildung, Soziales, Wirtschaft und Politik.


Ich bin heute hierher gekommen, weil ich Sie und euch einladen möchte, gemeinsam aktiv die Gegenwart und damit die Zukunft zu gestalten, die das neue Normal nicht akzeptiert, die auch das alte Normal nicht mehr zurück haben möchte, die aber eine neue Welt gestalten will, die besser ist als alles andere zuvor, die einfach gut, wahr und schön ist.


Besinnen wir uns in dieser Stunde, heute und hier, unserer Freiheits-, Grund- und Menschenrechte, die in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der europäischen Grundrechtscharta in unserer österreichischen Bundes-Verfassung und im Staatsgrundgesetz niedergeschrieben sind:
  • Alle Menschen, du und ich, sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
  • Jeder Mensch , du und ich, hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten
  • Niemand, weder du noch ich, darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, sein Heim oder seinen Briefwechsel noch Angriffen auf seine Ehre und seinen Ruf ausgesetzt werden.
  • Jeder Mensch, du und ich, hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.
  • Jeder Mensch, du und ich, hat das Recht auf freie Meinungsäußerung
  • Jeder Mensch, du und ich, hat das Recht auf Bildung.
  • Jeder Mensch, du und ich, hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen.
  • Jeder Mensch, du und ich, hat das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.
  • Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei, für dich, für mich.
  • Österreich ist eine demokratische Republik, ihr Recht geht vom Volk aus, also von dir und mir.


Daher ist es unsere Aufgabe, deine und meine, diese von unseren Vorfahren erkämpften und mittlerweile tot geglaubten Grundsätze wieder zum Leben zu erwecken. Es braucht dich und mich, deine und meine Achtsamkeit, denn – so beschreibt es die Künstlerin Bilbo Calvez in ihrem Buch Saruj, Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr: Je mehr Achtsamkeit, desto weniger Regeln. Wenn wir also mit weniger Regeln zusammen leben wollen, dann braucht es deine und mein Achtsamkeit, es braucht deinen und meinen Mut, dein und mein Vertrauen, deinen und meinen Respekt, deine und meine Eigenverantwortung, deine und meine Initiative und deine und meine Zuversicht.


Und ich bin zuversichtlich.


Und ich möchte heute hier an diesem Tag der Menschenrechte und an diesem Platz der Menschenrechte meine Zuversicht mit dir, mit euch teilen.


Ich bin zuversichtlich, dass wir, die Menschen guten Willens, die Chancen, die in dieser mächtigen Herausforderung liegen, zum Guten, Wahren und Schönen nutzen werden. Immer waren jene, die die Welt verändert haben, die Pionierinnen und Pioniere am Anfang in der Minderheit.


Ich bin zuversichtlich, dass wir, die Menschen guten Willens, mithilfe der immer weiter wachsenden Netzwerke, Inseln der Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung schaffen werden, die ein menschengerechtes und gutes, wahres und schönes Leben für alle ermöglichen. Immer war es notwendig, um Not zu wenden, dass sich Wenige einsetzen, allen Mut zusammen nehmen und viel riskieren, oft sogar ihr Leben, um die Welt zum Guten zu wandeln.


Ich bin zuversichtlich, dass wir, die Menschen guten Willens, eines Tages, an einem weiteren Tag der Menschenrechte hier auf diesem Platz der Menschenrechte gemeinsam mit der ganzen Menschheit ein Fest der Befreiung und der Freiheit feiern. Immer – auch in den dunkelsten Stunden der Geschichte unserer Menschheit – waren es diese festlichen Momente, die Verbundenheit gebracht und die Gemeinschaft zum Wohle aller gestärkt haben, in denen Visionen manifestiert und letztendlich erreichte Utopien gefeiert wurden.


Lasst uns in diesem Geist gemeinsam jeden Tag zum Tag der Menschenrechte machen.
Lasst uns in diesem Geist gemeinsam jeden Ort zu einem Platz für Menschenrechte machen.
Lasst uns in diesem Geist gemeinsam die neue Welt erschaffen, in der es sich zu leben lohnt, heute, hier, ab jetzt bei jedem Schritt und in jeder Sekunde unseres weiteren Lebens



Denn – und davon bin ich aus tiefstem Herzen überzeugt und daher voll und ganz zuversichtlich: Das gute, wahre und schöne Leben ist möglich! Für dich und mich. Für alle. Für die ganze Welt.
Und es liegt allein in unserer Hand, in deiner und in meiner, dass das, was heute noch Utopie ist, morgen schon Wirklichkeit ist!
Pack ma‘s gemeinsam an!
Jetzt!

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salutatio #11

25/11/2020

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Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem ÜberIch zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zu Wort gekommen.
(Viktor Frankl)

Für Viktor Frankl war das Gewissen das Sinn-Organ und als solches die Kompassnadel für ein gelungenes Leben. Frankl plädiert auch gegen eine Erziehung junger Menschen zum Gehorsam und für deren Erziehung zum Gewissen.

Unser Gewissen also führt uns zum Sinn, der Sinn wiederum nimmt uns die Todesangst und lässt uns - unter allen Umständen, inneren wie äußeren - leben, so Frankl.

Dem möchte ich nichts hinzufügen.
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salutatio #10

24/11/2020

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Dem Tod ins Auge schauen heißt auch, sich nicht zu Tode zu fürchten bzw. sich zu Tode erschrecken zu lassen. Schon meine Oma wusste: "Zu Tode gefürchtet ist auch schon gestorben!"

Humor ist eine ganz besonders wirksame Waffe gegen die Todesangst - und auch Satire bringt uns dazu über Dinge zu lachen, die uns auf den ersten Blick oft als todernst erscheinen.

Daher heute: "Die Echse spielt Corona"

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salutatio #9

23/11/2020

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"Darf man im Gefälle dieser Angstverbreitung noch auf ein paar Fakten hinweisen? Oder so etwas wie Vernunft in die Debatte bringen statt die Panik anzuheizen und zu schüren, die in den Medien genau wieder mit allen möglichen Zahlenspielen sich verbreitet?", fragt Eugen Drewermann in einem berührenden Vortrag mit dem Titel "Aufstehen gegen den Hass". Einem Hass, der sich gerade wieder ausbreitet von den einen und den anderen, die nicht bereit sind, sich einem Diskurs zu stellen und eine andere als ihre Sichtweise zu respektieren.

Der Vortrag selbst spannt innerhalb einer guten Stunde einen weiten Bogen, philosophisch, theologisch und tiefenpsychologisch, er fordert heraus und ist eher in kleinen Happen denn am Stück verträglich. Aber am Ende hat es sich gelohnt, Drewermanns Gedanken zu folgen und an ihnen noch die eine oder andere Lebensstunde zu "kiefeln".

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    Thema

    Diese Seite war ursprünglich (von salutatio #01-12) unter dem Titel "Morituri T. Salutant" den vielen kleinen Helden des Alltags gewidmet:
    jenen, die weder "Tod noch Teufel" fürchten;
    jenen, die sich auch nicht vom "Opium für das Volk" vom Dasein abhalten lassen;
    jenen, die den letzten Atemzug und das Danach als Teil der menschlichen Existenz anerkennen;
    jenen, die als Todgeweihte für das Leben kämpfen.

    Ab salutatio #13 firmirt sie unter dem Titel "Moriturus T. Salutat" und hat folgende Aufgabe:
    Der Titel meiner Kolumne ist dem den Gladiatoren zugeschriebenen Gruß „Morituri te salutant“ entlehnt, ich habe ihn in die Einzahl gewandelt, weil er wirksamer ist, wenn du und ich gemeint sind. Denn du und ich, also wir alle sind Todgeweihte, Sterbliche vom Anfang unserer Existenz an. Diese Tatsache verdrängen du und ich, also wir lieber. Dazu haben du und ich, also wir eine ganze Menge verschiedenster Mechanismen entwickelt. Ihnen möchte ich in diesen kurzen Texten auf die Spur kommen, sie aufdecken und bewusst machen. Wenn du und ich, also wir die Bewusstlosigkeit unserem eigenen Tod gegenüber verlieren, du und ich, also wir uns unserer Todesfurcht stellen, ihr quasi von Angesicht zu Angesicht begegnen, dann lässt sich das eigene Leben, deines und meines, aber auch jenes in den Gemeinschaften, in denen du und ich, also wir leben, wahrhaft lebenswert gestalten – für dich und mich selbst und all die anderen.

    “We're all going to die, all of us, what a circus! That alone should make us love each other but it doesn't. We are terrorized and flattened by trivialities, we are eaten up by nothing.”

    (Charles Bukowski)

    "Menschen suchen immer nach Sicherheit. Aber die einzige Sicher-heit im Leben ist, dass wir sterben werden.
    Da könnte es doch hilfreich sein, das Leben aus der Perspektive dieser einen Sicherheit zu betrachten."

    (Gian Domenico Borasio, Palliativmediziner, in: Kathrin Schärer, Der Tod auf dem Apfelbaum)

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